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Das Archiv, die Ereignisse und die Bilder.



      Sich inmitten einer schubweise anwachsenden Menge von Bildern, Photografien, Filmen, Texten, von Fragmenten, Ausschnitten, Graphismen, Spuren befinden und das Spiel beginnen: immer von neuem und immer anders. Was zum Archiv sich versammelt und vermengt, ist mehr zufällig gefunden als mit Bestimmtheit gesucht und verdankt seine Wahl eher einer Laune denn einem Plan.
      Das Archiv: eine nicht überschaubare Menge hinsichtlich der Form, des Inhalts und derBeziehung, für die eine jede Ordnung vorläufig, fiktiv und zufällig ist; eine Menge, in der das Einzelne immer mehr ist als in einer vorhergehenden oder originären Funktion und einer ersten, flüchtigen Placierung; eine Menge endlich, die sich ständig durchläuft und in dieser Bewegung einzelnes miteinander verbindet: es produziert sich ein Ereignis.
      Tatsächlich gibt es zu keinem Zeitpunkt einen Überschuß an aktuellen Ereignissen, eher zuwenig davon, immer gerade genügend, um mögliche zu ahnen. Deshalb auch ist das Archiv beständig in sich um seine Virtualität besorgt und nach seinen Grenzen hin in Bewegung. Die kurzsichtigen Raster, welche Einzelnes und Gruppen in Bewegung zueinander setzen und auf ein Ereignis hin placieren, sind an diese Zukunft des Archivs gebunden; eine kombinatorische Praxis, die mit einer Vielfalt von Differenzen spielt und ein Anderes dem Archiv wieder zuführt.

      So tauchen Archive zweiter Ordnung auf. Amalgame werden als Ereignisse zu Gliedern von Reihen, alte Gruppierungen und Konstellationen verschwinden. Ein anderer Blick wird bisher abwesende Beziehungen und aufgeschobene Placierungen sehen, Prozeduren und Ergebnisse modifizieren oder sie für hinfällig erklären. Das Archiv ist vor allem dies: Triumph des Erinnerns. Zwischen Vergangenem und Vergessenem schieben sich Prozeduren ein und bringen alles noch einmal oder endlich hervor und ins Spiel. Immer von neuem und immer anders.

      Pläne entwerfen und Mittel und Wege finden. Man muß die Bilder, die Photographien, die Graphismen ..... von allen Seiten und durch sie hindurch sehen, sie drehen, wenden und in Teile zerlegen, um ihre Intensitäten ausdrücken zu können. Man muß sie im Verlauf ihrer Dekomposi-tion in jedem Zustand fixieren und in Farbe, Ton und Luminanz reproduzieren. Dann erst können die Intensitäten Vieler zu Einem verschmelzen. Man wird die Pläne nach dem, was Zufall an all dem ist, neu zeichnen und schließlich für ein Ereignis auf der Fläche den Ort des Erscheinens bestimmen.
      Am Ende wird mit Farbe realisiert: Farbe, die alles bindet und in die alles versinkt.

      In die Reflexion der Prozeduren ist die Struktur des Bildes und die Form seines Bedeutens eingeschrieben, Schnitte und Risse trennen die Glieder und teilen die Fläche, Überlappungen-schaffen im Verbinden Rhythmen. In der Transparenz des Einzelnen schichtet sich ein Ereignis, und Eines ist Vieles. Körper, Gesten, Konturen und Spuren kreuzen und bahnen, verflüchtigen sich ins Helle oder Dunkle. Schärfe und Diffusität lösen zwischen den Oberflächen einander ab.

      Das Bild ist Bühne einer innehaltenden Bewegung, einer verharrenden Geste und erstarrten Szene. Simultanes, transparentes, überflutendes Erscheinen von Ereignissen, die miteinander, durcheinander und gegeneinander sich aussagen. Fast immer ein Erscheinen ohne feste Stütze, in der aber die Ereignisse untereinander sich im Verdacht haben, um einen Sinn herum auszusagen oder zu schweigen.
      Die Fläche eine Bühne: da ist nichts, was nicht murmelte. Alles flüstert, souffliert. Sich fremde, ineinander verschobene, an auftauchenden Grenzen übertretende, stets wiederkehrende Szenen, in denen alte, nahe und ferne Bedeutungen aufblitzen oder verlöschen und sich in den Rhythmen des Begreifens verstreuen. Aus einer Vielfalt geborgen sind sie Spur in Anderem und Gleichem.

      Was hier in einer stets gegenwärtigen, stets abwesenden Galerie von Menschenbildern durchscheint, ist ein in seiner Fülle umhererinnerndes Ich. Dieses Ich ist projizierte inwendige Bühne, deren Turbulenz ein Blick kurz zentriert und auf der sich alsbald alles wieder zerstreut. Lichter und Schatten, worin ein jedes bereit ist, Vieles zu bilden. Orte stets verändert sich entfaltender Intensitäten, die einem Blick soufflieren und in die ein Blick seine Bedeutungen einschreibt. Das Bild ist am Ende auch dies: zur Ruhe gekommenes Archiv, grell und düster, berauscht und triste, schlierig und glasklar, immer von neuem und immer anders murmelnde Fläche.
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